UNO vereinfacht die Wertpapierabwicklung für alle Marktteilnehmer
Das Projekt UNO – Unified for New Opportunities der Deutsche Börse Tochter Clearstream Europe AG (CEU) ist ein umfassendes Transformationsprogramm zur Modernisierung der Wertpapierabwicklung. Ziel ist die Harmonisierung, Standardisierung und Automatisierung von Prozessen über Märkte hinweg – mit besonderem Fokus auf Effizienz, regulatorische Konformität und Risikoreduktion im Post-Trade-Umfeld – um somit bestehende Systemlandschaften zu konsolidieren und auf eine zukunftsfähige Plattform zu überführen.
Für Banken bedeutet dies tiefgreifende Umstellungen. UNO betrifft praktisch alle Bankinstitute in Deutschland, die über Clearstream Wertpapierbestände verwahren oder über Clearstream-Konten am Settlement-System teilnehmen. Dies sind Großbanken und Universalbanken mit deutschem Geschäftsbereich, Investmentbanken mit deutschem Wertpapierhandel, sowie Depotbanken, die ihre Wertpapierbestände über Clearstream abwickeln.
Im Kern werden vor diesem Hintergrund von den drei aktuell bei der Clearstream existierenden Kontoarten die bisher sogenannten CBFi-6er-Geldkonten (Kontonummern beginnend mit einer 6) für grenzüberschreitende internationale Nicht-Euro-Assets im System abgeschafft. Clearstream plant, dass im Ergebnis künftig nahezu alle relevanten Wertpapiere über T2S (Target2-Securities) abgewickelt und auf Konten der CEU in Frankfurt gehalten werden können. Dies wird in mehreren Wellen umgesetzt, wobei Finanzinstitute dann Wertpapiere je nach Verwahrart auf CEU – oder CBL – (Clearstream Banking S. A. Luxembourg) – Konten umlagern und abrechnen werden und dies in ihren Systemen entsprechend abzubilden haben.

Damit verbleiben nach der laufenden Umstellung die CEU-Konten für CeBM (Central Bank Money) -Settlement in T2S und CBL-Konten für CoBM (Commercial Bank Money) -Settlement außerhalb von T2S.
Auslöser für diese Änderungen ist die CSDR (Central Securities Deposit Regulatory -Zentralverwahrer Regelwerk) -Refit-Regulierung, die Zentralverwahrern erlaubt, bankähnliche Dienstleistungen an andere CSDs (Central Securities Deposit – in diesem Fall CBL) zu delegieren. Clearstream nutzt diese Möglichkeit, um seine Rollen klarer zu trennen: CEU in Frankfurt konzentriert sich künftig vollständig auf Kernfunktionen wie Verwahrung, Abwicklung und Recordkeeping, während CBL die banknahen Dienstleistungen übernimmt. Mit der Umstellung auf eine einheitliche Kontostruktur kann die CEU ihre Banklizenz zurückgeben, da künftig keine banktypischen Dienstleistungen wie Kreditvergabe mehr nötig sind. Die bisherige Trennung führte zu Medienbrüchen und ineffizienten Prozessen. Für die Umsetzung der Änderungen ist ein ambitionierter Zeitplan vorgegeben. Bis November 2026 muss jedes Institut ein sogenanntes CBL-Konto beim internationalen Zentralverwahrer der Clearstream-Gruppe benennen. Im Januar 2027 beginnt automatisch eine verpflichtende Migration aller Wertpapierbestände, die sich zu diesem Zeitpunkt noch auf alten 6er-Konten befinden. Ab März 2027 wird das 6er-Kontensystem endgültig abgeschaltet.
Das Ganze mündet im OneClearstream-Standard: Einheitliche Nachrichtenformate, harmonisierte Asset-Servicing-Prozesse und ein durchgängiger Steuer-Workflow ersetzen Legacy-Formate aus beiden Welten. Ziel ist die Harmonisierung, Standardisierung und Automatisierung von Prozessen über Märkte hinweg – mit besonderem Fokus auf Effizienz, regulatorische Konformität und Risikoreduktion im Post-Trade-Umfeld.
Die Roadmap UNO =>
Die Umstellung auf UNO erfolgt in mehreren Migrationswellen.

Parallele Vorbereitungen für das ebenfalls anstehende T+1-Vorhaben
Seit dem finalen Bericht der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) für das Europäische Parlament und den EU-Rat Ende 2024 steht nun fest: Die Umstellung auf T+1 kommt – flächendeckend und voraussichtlich ab dem 11. Oktober 2027. Ursache für die seitens Clearstream angestoßene Veränderung (UNO) ist u. a., den Weg für einen europaweiten T+1-Abwicklungszyklus zu ebnen.
Die Roadmap T+1 =>
Die Umstellung auf T+1 erfolgt in mehreren Migrationswellen.

Die Einführung von T+1 überschneidet sich zeitlich mit UNO, was zum einen eine deutlich höhere Komplexität und Belastung für die Projektgruppen in den betroffenen Banken bedeutet, zum anderen aber auch die Möglichkeit einer engen Verzahnung der Transformationsaktivitäten mit sich bringt.
Nach den seitens der ESMA vorgelegten Planungen erfolgt die Migration auf T+1 für alle Assetklassen, Transaktionstypen und Marktsegmente gleichzeitig. Ein abweichender Fahrplan einzelner Länder oder Produktgruppen ist nicht vorgesehen. Der Umstieg betrifft alle Institute, die in irgendeiner Form in den Wertpapierabwicklungsprozess eingebunden sind – und zwar nicht nur Handelsbanken, sondern auch Asset Manager, Verwahrstellen, Fondsplattformen und Marktdienstleister.
Banken brauchen jetzt einen klaren Umsetzungsplan. Die folgenden vier Punkte bilden die Basis für eine bankinterne Roadmap, um rechtzeitig auf T+1 vorbereitet zu sein. Je länger Banken damit warten, desto größer wird der Druck, insbesondere mit Blick auf bevorstehende Tests und notwendige Anpassungen in der Infrastruktur.
- Impact-Analyse: Welche Produkte, Standorte, Systeme und Kontrahenten sind betroffen?
- Prozessmapping & Gap-Analyse: Identifikation von Medienbrüchen oder manuelle Tätigkeiten in Prozessen
- Automatisierung & Standardisierung: Fokus auf STP, ISO 20022 und Datenqualität
- Governance & Kommunikation: Projektstruktur aufsetzen, Stakeholder einbinden
Was sind die Eckpfeiler eines UNO-Umstellungsprojekts?
Die notwendigen Umstellungen im Kontext UNO erfordern vor allem Anpassungen und Migrationen in den Konten und Systemen, Standardisierung von Prozessen für weitere Wertpapiere, die bisher außerhalb T2S abgewickelt wurden, gleichzeitige Änderungen im Cash Management, dem Sicherheitenmanagement, der Wertpapierleihe, den steuerlichen Behandlungen sowie dem Reporting (z. B. für die USA und die Schweiz).
Banken müssen strategisch entscheiden, welche Assets sie künftig in CEU in Frankfurt (T2S, CeBM) oder in CBL (ICSD (International Central Securities Deposit), CoBM) halten. Diese Wahl beeinflusst z. B. Kapitalbindung, Kosten und Risikoprofil.
Entscheidend sind deshalb vier Hebel: Erstens eine frühe Architekturentscheidung für die Verteilung der Flows auf CEU und CBL, zweitens stringente Master-Data-Governance noch vor Wave 0, drittens eine mehrstufige Test-Orchestrierung nach dem „Shift-left“-Prinzip und viertens ein konsequentes Change-Management mit Schulungen, kompakten Kurzanleitungen („Quick-Reference-Cards“) für den Arbeitsalltag und abgestimmter Kundenkommunikation. Wer diese Erfolgsfaktoren beherzigt, meistert die Migration planbar – und profitiert von Tag 1 an von einem effizienteren, risikoärmeren Post-Trade-Setup.
Die Umstellungen im Kontext UNO verlangen klare Transparenz über aktuelle Konto-strukturen, einen fundierten Vergleich möglicher Migrationspfade und eine reibungslose technische Umsetzung. Folgende wesentliche Projektbausteine sind zu empfehlen:
- Status-quo-Erhebung (Gap-Analyse): Erfassung sämtlicher CEU-, 6-series- und CBL-Konten sowie Ihre Wertpapierbestände, Analyse der Formatänderungen (z. B. Migration von MT (SWIFT Message Types) zu ISO 20022), Identifikation von Auswirkungen auf Downstream-Systeme.
- Prozess- und Impact-Analyse: Detaillierte Prozesslandkarten zeigen Schnittstellen und manuelle Prozessschritte; so werden Risiken und Effizienzhebel identifiziert und Veränderungsbedarfe fixiert.
- Masterplan und Umsetzungsfreigabe: Ein gesamthafter Abgleich aller Optionen führt zu einem eindeutigen Vorgehensmodell mit allen erforderlichen Meilensteinen, dem Budgetrahmen und Ressourcenbedarf, Abhängigkeiten und Risikomatrix.
- Technische Anpassungen & Softwareentwicklung: Kontoeröffnungen bei CBL, Anpassung oder Neuentwicklung der Schnittstellen, Implementierung neuer Nachrichtenformate, Mapping alter auf neue Datenfelder sowie Einrichtung der Testumgebungen (Connectivity & End-to-End-Tests); Besonderer Fokus liegt auf den Settlement-Instruktionen, Corporate-Actions-Notifications, Reporting-Formaten und Konto- und Positionsabgleichen
- Test- und Migrationsmanagement: Clearstream stellt in der Regel mehrere Testphasen bereit: Community Tests, Bilaterale Tests und Parallelphasen. Die Mitwirkung der Depotbanken fokussiert dabei auf die Definition von Testfällen, die Durchführung von Regressionstests, die Einbindung der Fachbereiche und die Dokumentation der Abnahmeprozesse
- Prozessanpassung in Operations: Es bedarf der Überarbeitung interner Arbeitsanweisungen, der Anpassung von Kontrollmechanismen, der Schulung von Mitarbeitenden sowie der Überprüfung von Eskalationswegen. Insbesondere im Bereich Settlement-Disziplin (z. B. Buy-Ins, Penalties) sind präzise Prozessdefinitionen notwendig.
- Kundenkommunikation: Depotbanken sollten frühzeitig Auswirkungen auf institutionelle Kunden analysieren, Formatänderungen kommunizieren, Reporting-Anpassungen abstimmen und Service-Level-Vereinbarungen prüfen
bankon als Unterstützung im Thema UNO
bankon verfügt über die erforderliche Expertise, um die strategischen, strukturellen, prozessualen, technischen, personellen und regulatorischen Herausforderungen zu meistern, die das hier beschriebene Vorhaben UNO zum Erfolg führen können.
Unser Leistungsangebot beschränkt sich bei diesem Thema nicht nur auf die Analyse der Machbarkeit, die Konzeption und die Durchführung der Umsetzung in allen Facetten, sondern fokussiert auch insbesondere auf die oft vernachlässigte Hebung von nachhaltigen Optimierungsansätzen, z. B. im Kontext betroffener Prozesse oder der Ergänzung von Produktsegmenten.
Wer frühzeitig plant, klare Verantwortung schafft und konsequent kommuniziert, erhöht die Erfolgschancen im Projekt und die Hebung weitreichender Potenziale der Initiative UNO. Wir begleiten Sie gerne auf diesem Weg.
Wenn Sie mehr Informationen zu diesem Thema wünschen, wenden Sie sich bitte an die Experten von bankon. Profitieren Sie von der langjährigen Branchenexpertise unserer bankon Berater. Sprechen Sie uns an.
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